Philip Baumgarten

Aktuell

»Trunkene Zeiten« präsentiert:

die Straße der erfundenen Traditionen

 

„Es war einmal ein Märchen, das kam aus einem Land, in dem politische Veränderungen die Frage nach einer kulturellen Neuorientierung aufgeworfen hatten. Die Lage war offen und unübersichtlich. Das Märchen war wunderschön und alle, die es hörten, sahen danach ihr ganzes Leben in einem neuen Licht. Doch leider wusste das schöne Märchen selbst gar nicht mehr so genau, wo es herkam und wo es hin wollte, geschweige denn, wovon es eigentlich handelte...“

Welche konkreten Erwartungen richten Europäer_innen und Ukrainer_innen derzeit aneinander und an die zukünftigen Entwicklungen?

Wie können wir russische Sichtweisen besser verstehen, ohne die Politik des Kremls zu rechtfertigen? Worum geht es eigentlich beim Eurovision Song Contest? Und was verbirgt sich hinter dem sub-ethnischen Konzept des Kosakentums?

»Die Straße der erfundenen Traditionen« ist ein deutsch-ukrainisch-russisches Projekt auf der Suche nach einem Dialog außerhalb der symbolischen Ordnung des Krieges.

 

Auf unserer 10-tägigen Forschungsreise durch die Ukraine haben wir mit vielen Menschen gesprochen und Realitätsausschnitte gesammelt.

 

 

Das Projekt „Die Straße der erfundenen Traditionen“ wird gefördert vom Programm Homebase des Fonds Darstellende Künste

 

Theatergruppe TARÁNTULA spielt:

Stadt ohne Ufer

In der unserer Stadt sind die Dinge noch so, wie man sie sich vorstellt. Das mag zwar auch am Größenverhältnis zwischen der Stadt und der menschlichen Vorstellungskraft liegen, aber die Menschen in der kleinen Stadt sind glücklich und zufrieden.

Tatsächlich - hier lässt es sich leben.  

the other face of the moon

von Jalal Mando

 

Der syrische Schauspieler Jalal Mando hat kein Stück über Flucht geschrieben, stattdessen erzählt sein Text von der jüngsten Geschichte Syriens, von Revolution, Hoffnung und Katastrophe, von Gefühlen im Frieden und im Krieg, von den Gründe zu fliehen und den Gründe zu bleiben.

„The other face of the moon“ zeichnet eine gemeinsame Wegstrecke zweier Menschen nach, deren Trennung voneinander schweren Verlust, aber auch einen Neuanfang bedeuten kann, wenn sie es schaffen zu überleben...

Sie sagte schon immer: „Aus meiner Dunkelheit wird der Mond scheinen.“

Er sagte: „Du bist das andere Gesicht des Mondes.“.

Sie bleibt mit seinem Schatten auf ihrer Haut zurück.

 

mit Jalal Mando, Angélique Préau, Übersetzug, Dramaturgie: Anna Beeck

 

Bühnenbild: Philip Baumgarten

eine Cooperation mit Farasha: www.farasha.info/

ALBERT.O

und die Fortpflanzung des Lichts (Arbeitstitel) ein Konzept der cie. HANS ANDERS

...Wir stellten weiterhin fest, dass eine unserer gemeinsamen Erfahrungen* darin besteht, dass die Beschäftigung mit Albert Einstein und Alberto Giacometti unsere Wege als Künstler_innen verändert hat und wir haben beschlossen, ein Projekt ins Leben zu rufen, um diesen Veränderungen nachzuspüren und sie aufeinander zu beziehen.

 

Auch von heute aus betrachtet, gehen vom bildnerischen Werk Giacomettis und der Relativitätstheorie Einsteins Fluchtlinien ins Offene aus.

Aus dem Steinbruch der vergangenen europäischen Epoche ragen uns Albert E. und Alberto G. als zwei unbeschlagene Monolithen entgegen.

 

Das Sommerhaus Albert Einsteins in Caputh bei Potsdam: ein malerischer, ein verwunschener Ort, eine begehbare Zeitkapsel. Die Performance beginnt im Garten. Eine Tänzerin bewegt sich zur Musik eines Quartetts.

Auf einer Videoleinwand sieht man einen anderen Ort, das Atelier Alberto Giacomettis in Stampa im Schweitzer Kanton Graubünden. Hier performt dieselbe Tänzerin. Es muss sich um eine Aufzeichnung handeln. Tanz im Video und live performter Tanz interagieren.

Schließlich wechselt der Performer im Video. Das Publikum wird aufgefordert, Entscheidungen über den Verlauf der Performance zu treffen. Diese Entscheidungen und andere Veränderungen in Echtzeit legen den Schluss nahe, dass Video und live Tanz jetzt „gleichzeitig“ ablaufen und an zwei unterschiedlichen Orten (Caputh und Stampa) live miteinander in einen improvisierten Dialog treten.

Später können die Zuschauer bei einem Rundgang durch das Haus einer Hörcollage mit Texten von und über Albert Einstein und Alberto Giacometti lauschen.

Wir planen Stampa und Caputh multimedial in ein Verhältnis zu setzen, das einen dritten heterotopen Ort schafft und eine Relativität von Raum und Zeit erlebbar macht. Dieser neue Ort wird mobil sein und lässt sich auch in ein Theater hinein transportieren.

Wir wollen ein gemeinsames Feld Einsteins und Giacomettis in einer fiktiven Begegnung performativ erschließen.

Die Berührungspunkte zwischen den beiden sind nicht offensichtlich, dass es sie gibt, setzen wir als unsere Ausgangsthese.

Dabei ist es nicht entscheidend, ob sich die These einer gemeinsamen Schnittmenge bestätigt oder nicht. Vielmehr dient die Annahme der Gemeinsamkeit als heuristisches Prinzip, um mit dem Publikum eine Strecke durch die Lebens-, Schaffens- und Gedankenwege des Physikers und des Künstlers zurückzulegen. Auf diesen Wegen möchten wir auch die Fragen neu formulieren, die Einstein und Giacometti an unsere Gegenwart gestellt haben könnten.

Wir möchten eine Gravitationskraft zwischen diesen zwei Größen zum Ereignis machen, um in der Vergangenheit nach Spurenelementen der Zukunft zu forschen.

 

Für die Compagnie HANS ANDERS ist die Beschäftigung mit dem gedanklichen Universum Albert Einsteins und dem künstlerischen Werk Alberto Giacomettis notwendig geworden.

Wir sehen uns mit kulturellen Verfallserscheinungen, hybriden Kriegen und fortschreitendem Demokratieverlust konfrontiert. Wir stellen uns die Frage, welche Potenziale und Konzepte aus der vergangenen Epoche sich nutzen lassen, um die Ratlosigkeit und Angst zu ersetzen, mit der unsere Generation auf die Zukunft wartet.

Was bleibt übrig von der klassischen Moderne, außer der fröhlichen Übereinkunft über ihre Überwundenheit?

Wie können wir als Europäer_innen neue europäische Werte finden und fruchtbar machen, die jenseits von Kolonialismus und Kapitalismus funktionieren?

 

Es ist kein sinnvolles Unterfangen, zu versuchen die universellen Fragen nach der Bestimmung des Menschen und der Verantwortung von Kultur im Angesicht politischer Katastrophen zu beantworten. Doch wenn wir aufhören sie zu stellen, verlieren wir sehr viel. Dies haben uns Einstein und Giacometti eindrucksvoll vor Augen geführt. Sie haben ein kritisches Menschenbild geprägt und uns gezeigt, dass keine kulturellen, wissenschaftlichen oder ethischen Werte selbstverständlich existieren, sondern erkämpft und und erforscht werden müssen - auch auf dem Weg der Infragestellung und der kritischen Reduktion auf das Wesentliche.

 

Um davon zu erzählen und die Bewegungen von Kritik, Forschung und Erhöhung der Komplexität fort zu führen, suchen wir nach einer Erweiterung des performativen Raumes, die Raum und Zeit selbst zu Akteuren macht.

Eine Form, die sich der Herausforderung durch Offenheit stellt, die von unseren Protagonisten ausgeht.

Den Skulpturen Giacomettis ist eine Relativität zwischen Statik und Dynamik eigen.

Die schreitenden und die stehenden Figuren zeigen, wie die menschliche Gestalt auf das Verhältnis von Raum und Zeit einwirkt. Wie kann körperliche Präsenz als Veränderung dieses Verhältnisses, als Frequenz, als Tonfolge wahrnehmbar gemacht werden?

 

Wir wollen Giacomettis Skulpturen mit Tanz und Musik lebendig werden lassen und danach forschen, wie sich der Raum und die Zeit, die Menschen umgeben, energetisch verändern, wenn sie sich begegnen.

 

Der gemeinsame Grund aus dem heraus sich eine fiktive Begegnung Einsteins und Giacomettis ereignen kann, ist die Schaffung eines performativen Feldes, das weder durch „Wissenschaft“, noch durch „bildende Kunst“ noch durch „darstellende Kunst“ oder „Musik“ eindeutig bezeichnet werden kann, sondern diese Kategorien in einer neuen Konstellation zusammen bringt.

 

Wir planen deshalb die Kombination von neuer Musik, Tanz und Installation im Raum. Wobei eine größtmögliche Berührung und und Interaktion zwischen diesen künstlerischen Medien angestrebt wird. Als Ergebnis sollte das aktive Nachdenken über die Relativität und das Wesen menschlicher Bewegung nicht als intellektuelle Überforderung, sondern heiter, als Spiel erlebbar sein.

 

Eine besonderen Herausforderung bildet die Existenz realer Orte aus dem Leben unserer Protagonisten:

 

Albert Einsteins Sommerhaus in Caputh bei Potsdam in Deutschland, heute Gedenk- und Begegnungsstätte und Alberto Giacomettis Atelier in Stampa im Schweitzer Bergell Tal, wo momentan das Besucherzentrum Centro Giacometti aufgebaut wird.

 

Ein Ziel, das wir zu erreichen hoffen,ist die Einbeziehung dieser realen Orte als Arbeits-, Aufführungs- und Rechercheorte.

Um der Theorie von der Relativität von Zeit und Raum Wirklichkeit zu verleihen, sollen die Orte performativ erschlossen und in ein Verhältnis gesetzt werden, das neue Erfahrungsräume mit einer eigenen Zeit schafft, die der fiktiven und doch gegenwärtigen Begegnung Einsteins und Giacomettis eigen ist und den Standpunkt der Betrachtenden zum Thema macht. Synchronizität, Präsenz und Musikalität der Räume und der Körper sind Gegenstand unserer Erforschung.

 

Wir planen eine Serie von performativen Formaten an den verschiedenen Orten, die in verschiedenen Etappen realisierbar sind und jeweils als abgeschlossene Einheit für sich stehen. Mindestens einmal soll simultan an zwei Orten gleichzeitig performt werden. Den Schluss der Serie bildet eine retrospektive Gesamtschau. Um die Ergebnisse einem größeren Publikum zugänglich zu machen, soll diese in einem Theatersaal stattfinden und die Erfahrungen aus Stampa und Caputh an einem neutralen Ort zusammen führen.

 

 

* Wir stellten darüber hinaus fest, dass wir als Kinder jeder einen unsichtbaren Freund hatten, und das unsere unsichtbaren Freunde fast die selben Namen trugen: Sie hießen Alberto und Albert. Welche Gestalt gibt diese geteilte Erinnerung der Unsichtbarkeit unserer Freunde?

ENDLESS HOSPITALITY!

In welchem Gefängnis möchtest du leben?

 PREMIERE AM 25.2.2016 UM 21:00 AUF KAMPNAGEL!

 

„Wer ich bin oder wer ich war ist nicht so wichtig - vielleicht ein Mensch, obwohl

ich mir nicht sicher bin.“

 

Afsane Ehsandar

 

 

Was macht die illegale Passage mit den Menschen, die während dieser Reise sämtliche Menschenrechte verlieren, häufig ihre Identität zurück lassen müssen und nach ihrer Ankunft gezwungen werden, sich beides hart zurück zu erkämpfen?

Diese Frage beschäftigt die Theaterautorin Afsane Ehsandar nach ihrer Flucht aus dem Iran. ENDLESS HOSPITALITY ist ein groteskes Drama über die Innenwelten der Flucht, über Geschichten, die sich in keinem Land erzählen lassen und über eine Gefängniszelle als Sehnsuchtsort.

Gemeinsam versuchen wir die Reproduktion von Opferrollen und Betroffenheiten zu unterbrechen, um von Ereignissen zu berichten, deren Protagonist_innen abwesend bleiben werden.

Wir fordern Euch auf zu einem Totentanz um die Leerstelle im Diskurs über Migration, denn es passiert ziemlich viel in sehr kurzer Zeit und wir müssen uns bewegen, sonst wird uns schwindelig.

 

mit: Pouya Arastoo, Antoine Effroy, Maike Möller, Leon Ullrich, Gilles Welinski

 

Regie: Philip Baumgarten, Text: Afsane Ehsandar, Dramaturgie: Juliane Löffler, Raum: Hanna Lenz mit Mara Pieler, Kostüm: Clarissa Freiberg

 

ENDLESS HOSPITALITY ist eine Produktion von Kampnagel, gefördert durch die Hamburger Kulturbehörde, die Hamburgische Kulturstiftung und die Rudolf Augstein Stiftung


ELEKTRA:WUNDERLAND

„Tretet ein, ihr Fremden! Zumal ihr bringt, was keiner wohl im Haus abweisen noch – sich freun wird zu empfangen!“ Die Vorstellung, dass diese Welt, in der wir leben, nur eine von vielen Welten in irgend einem Computerspiel ist, das von einem Halbgott mit viereckigen Augen schon viel zu lange gespielt wird: Wenn dir diese Vorstellung plötzlich ungeheuer beruhigend und befreiend erscheint, dann ist der Unterschied zwischen Spiel und Leben vielleicht schon lange verloren gegagen... Eine Frau entdeckt die Tragödie Elektra als Gegenstrategie zu ihrem chaotisch-bunten Alltag in Wunderland. Wunderland bietet zwar unzählige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, aber bei aller Wellness, scheint es hier trotzdem an Wirklichkeit und echten Konflikten zu mangeln. Kann das antike Drama Abhilfe schaffen?
„Sie dreht sich um im Fallen und schaut nach unten und auf einmal ist unten ganz nah...“
Performance: Sophie Zellmann, Regie & Textfassung: Philip Baumgarten
basierend auf den „Elektra“ Dramen von Sophokles und Hugo v. Hofmannsthal
Premiere am 15. 5. 2014 im Theater unterm Dach, Berlin

sous le sixième soleil

Stückentwicklung von Philip Baumgarten und Georgia Doll

Nach unserer 8 wöchigen Schreibresidenz in der Villa des auteurs auf dem Gelände der Friche in Marseille arbeiten wir weiterhin daran, unsere Erzählforschung zu verwirklichen. "Sous le sixième soleil" kombiniert einen postapokalyptischen Theatertext mit dokumentarischen Interviews zum Thema Biografie und Revolte. Bisher gab es eine szenische Lesung mit Videoausschniten im Studio der Friche/Marseille...